Laut, lustig, lecker: Das ist Kräftskiva. Beim schwedischen Krebsfest werden Meeresfrüchte auf fröhliche Art zelebriert – das hat eine lange Tradition.
Der Sommer in Schweden ist einfach traumhaft. Am Ende der sonnenverwöhnten Jahreszeit folgt die Zeit der Freude, des Genusses und der Kulinarik. Das traditionelle Krebsfest «Kräftskiva» ist eine besondere schwedische Tradition, die ab Mitte August beginnt. Früher war das Krebsessen vor allem ein Fest der Adeligen. Seit rund hundert Jahren gehört die Kräftskiva aber zum kulinarischen Kalender aller Schweden.

Traditionell ausgelassen
Das traditionelle Krebsessen ist ein buntes Fest. In ausgelassener Runde sitzt man an langen Tischen, die mit absichtlich kitschigen Plastik-Krebsen verziert sind. Ausserdem gehören bunte Lampions, schrille Lätzchen und lustige Papierhüte zur Dekoration eines typischen schwedischen Krebsfestes. Das laute Ausschlürfen der Schalentiere gehört ebenso dazu wie die verschmutzten Hände. Zwischendurch gibt es immer wieder fröhliche Lieder.
Fluss- und Signalkrebse
Beim Kräftskiva werden Flusskrebse (Flodkräfta) und Signalkrebse (Signalkräfta) aufgetischt, die in ganz Schweden in Seen und Flüssen vorkommen. An der Westküste, die besonders reich an Meeresfrüchten ist, kommen auch Kaisergranate (Havskräfta) auf den langen Tisch. Dazu gibt es traditionellerweise Knäckebrot, Baguette und gewürzten Käse. Heute findet man auch vegane Beilagen wie Artischocken, Tofu oder Tomaten.

Private Krebs-Partys
Bekannte Kräftskivas findest du entlang des rund 200 Kilometer langen Göta-Kanals. Dort können die Schalentiere auch selbst gefangen werden. Im Ort Ljungsbro gibt es sogar ein eigenes Kinder-Festival mit Flusskrebsen. Wenn du einmal eine private Krebs-Party erleben möchtest, kannst du Einheimische über Portale wie A slice of Swedish Hospitality (Skåne) oder Meet the Locals (Westschweden) kennenlernen.

Wo gibt’s die Besten?
Die Krusten- und Schalentiere von Bohuslän gelten als die besten der Welt. Tausende von Schären bilden die malerische Küstenlandschaft Westschwedens. An den vielen kleinen Häfen bieten Fischereien während der Hochsaison Austern-Safaris, Muschelernten oder den Fang des nordischen Hummers an. Auch in Småland gibt es mehrere Anbieter, die mit aufs Meer rausfahren und dir zeigen, wie man Krebse fängt und den Fang samt Beilagen zubereitet.


Volvo Gründung
Einem Flusskrebsessen ist übrigens auch die Gründung von Volvo zu verdanken. Das berühmte Restaurant Sturehof in Stockholm war bereits 1924 bekannt für seine Fisch- und Schalentiere-Gerichte. Das wollte sich auch ein gewisser Assar Gabrielsson nicht entgehen lassen. Hier traf er auf seinen ehemaligen Arbeitskollegen Gustaf Larson, der ebenfalls Appetit auf die Spezialität des Hauses hatte. Die Freude war gross, das gemeinsame Thema schnell gefunden: Autos. Es war der Start für eine der erfolgreichsten Geschichten in der Automobilindustrie. So fuhr bereits 1927 der erste Volvo ÖV4 in Göteborg vom Band.

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