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  • Friends of Volvo

«Diesmal machen wir das, worauf wir Lust haben»

  • 13. August 2023

Divertimento sind der erfolgreichste Comedy-Act der Schweiz. Doch zuletzt waren Jonny Fischer und Manu Burkart auch solo unterwegs. Was bedeutet das für ihre Zukunft – und für das neue Programm «Bucket List»? Wir haben die beiden Friends of Volvo bei der ersten Probe zur neuen Show getroffen und mit ihnen darüber gesprochen.

«Das darfst du dann so nicht auf der Bühne sagen, gell?» – Manu Burkart zwinkert Jonny Fischer zu und beide lachen herzhaft. Zwei Dinge fallen sofort auf: Zum einen, dass die beiden «Friends of Volvo» zur raren Spezies von Komödianten gehören, die auch abseits der Bühne lustig sein können und für gute Laune sorgen. Und zum anderen, dass die Chemie zwischen dem Duo auch nach 25 Jahren Divertimento noch immer intakt ist. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. Fischer wie Burkart haben seit ihrer letzten Tournee «Sabbatical» erfolgreiche Solokarrieren gestartet – mit TV-Shows für das Schweizer Fernsehen, Buchveröffentlichungen oder Bandauftritten. Wir haben die beiden Comedians bei ihrer allerersten Probe für das neue Programm «Bucket List» in Tuggen (SZ) getroffen.

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Manu Burkart ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Bei SRF moderiert er die «Hüttengeschichten» (eine Sendung, in der Burkart Hüttenwarte und -wartinnen besucht) und war Teil einer Dokuserie für «SRF bi de Lüüt». Als Gitarrist der Band BBR spielt er Coversongs von AC/DC, Volbeat, Motörhead und vielen anderen mehr.

Jonny und Manu, ihr probt hier zum ersten Mal zusammen für eure neue Show. Wie sehr habt ihr euch vermisst?
Burkart: Es geht. Es war ja nicht so, dass wir uns in letzter Zeit überhaupt nicht gesehen hätten. In den vergangenen Monaten hatten wir intensive Schreibphasen, in denen wir regelmässig in Kontakt standen und an den neuen Nummern gefeilt haben. Und bei aller Liebe: Es geht auch einen Tag ohne Jonny. (lacht)
Fischer: Wir standen tatsächlich zum ersten Mal seit Langem wieder vor einem leeren Blatt Papier. Das war früher oft schwierig, doch dieses Mal habe ich mich richtig darauf gefreut. Vielleicht, weil wir noch nie eine so lange Pause zwischen unseren Programmen hatten. Die Premiere unserer Show «Sabbatical» ist sieben Jahre her. Neue Nummern haben wir also zuletzt vor acht Jahren geschrieben. Manu hatte noch einen schwarzen Bart, keine grauen Haare und keine Kinder. Fast keine Kinder …
Burkart: … stimmt! (lacht) Es soll jetzt nicht grosskotzig klingen, aber unsere Shows waren zuletzt so erfolgreich, dass wir mit ihnen drei oder vier Jahre lang touren konnten. Wegen der Pandemie zuletzt ­sogar noch länger. Ein neues Programm ist also nicht einfach «Business as usual» für uns.

Diesmal hatte ich einfach richtig Lust auf neue Nummern.
Jonny Fischer

Hattet ihr Respekt vor der Aufgabe?
Fischer: Respekt ist schon da, aber auch viel Freude. Bei den letzten beiden Programmen habe ich mehr Druck gespürt. Diesmal hatte ich einfach richtig Lust auf neue Nummern.
Burkart: Geht mir genauso. Was auch damit zu tun hat, dass Jonny und ich uns besser verstehen denn je.

Eine Folge eurer Solo­karrieren? Hat das die Dynamik zwischen euch verändert?
Burkart: Auf jeden Fall. Wir haben uns das viel zu lange gegenseitig nicht erlaubt.
Fischer: Wir hatten uns das tatsächlich wie verboten. Erst aus unserem grossen Streit heraus (2017 zerstritten sich Divertimento und hätten sich als Folge davon beinahe aufgelöst – Red.) haben wir uns die Frage gestellt: Vielleicht freuen wir uns ja mehr aufeinander, wenn wir uns nicht dauernd sehen? Das gilt übrigens auch fürs Privatleben; Distanz ist etwas enorm Wichtiges, damit man wieder schätzt, was man am anderen hat. Wenn ich zum Beispiel während eines Solo-TV-Auftritts ins Rudern komme, merken das die meisten um mich herum nicht. Manu würde es sofort spüren – und ich würde wissen, dass er mich jederzeit auffangen würde. Und umgekehrt.
Burkart: Bei mir wars ähnlich. In den Interviews für die TV-Serie «Hüttengeschichten» habe ich mich oft gefragt, ob ich aus den Gesprächspartnern genug herausgeholt habe. Ich dachte daran, wie enorm hilfreich Jonny gewesen wäre, weil er auf diesem Gebiet ein echter Könner ist. Da wird einem bewusst, wie wertvoll ein Partner ist, mit dem man über 20 Jahre lang Seite an Seite gespielt hat.
Fischer: Die Dankbarkeit ist zurück. Und die Erkenntnis, dass nichts, was ich solo mache, je an Divertimento herankommen wird. Es kommt auch niemand an Manu als Partner heran.

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Jonny Fischer (rechts) ist verheiratet und lebt in Zug. Bei SRF moderiert er die Show «Game of Switzerland» und ist als Juror in «Stadt Land Talent» zu sehen. Sein Buch «Ich bin auch Jonathan» erschien 2021.

Gibt es Dinge, die solo besser sind als zu zweit?
Burkart: Natürlich. Allein schon die Erkenntnis, dass ich auch als Manu Burkart funktionieren kann (Bur­kart moderierte u.a. Shows für SRF und spielt in einer Band – Red.). Dafür hatte ich vorher keine ­Garantie.
Fischer: Wir werden primär als Einheit wahrgenommen. Wo ich hinkomme, werde ich nach Manu gefragt. Sogar in meinen Flitterwochen auf Bali wurde ich von Fans gefragt: «Ah, du bist hier in den Flitterwochen? Mit deinem Partner? Schön, gratuliere. Aber wo ist Manu?» ­Hallo, hört ihr euch, Leute?! (lacht) In solchen Momen­ten kriegst du manchmal das Gefühl, dass du allein nicht reichst. Dadurch, dass wir in letzter Zeit viel einzeln gemacht haben, hat sich diese Wahrnehmung verändert. Jetzt heisst es: «Schön, dass ihr wieder zusammen seid.» Dabei ­waren wir nie getrennt.

Gab es Konkurrenzdenken in eurer Solozeit? War jemand neidisch auf den Erfolg des anderen?
Burkart: Gott sei Dank kenne ich das überhaupt nicht. Wenn ich so denken würde, wäre das heikel. Ich schaue Jonny gern zu und bewundere es, wie er in der Rolle als TV-Juror aufgeht. Er hat eine unglaubliche Gabe, zu analysieren und etwas unterhaltsam rüberzubringen.
Fischer: Und ich habe an jenem Samstag, als du mit deiner Band im Hallenstadion aufgetreten bist, eine Flasche Wein aufgemacht. Aus lauter Freude, dass ich das nicht machen musste. Ich hätte mir in die Hosen gemacht vor Angst!

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Konzentrierte Arbeit: Erst bei den Proben entscheidet das Divertimento-Duo welche Nummern es auf die Bühne schaffen und welche nicht.

Manu Burkart spielt seit fünf Jahren mit seiner Band BBR Coverversionen von Rock- und Metalsongs. Ursprünglich als reines Hobby und Ausgleich zum Familienleben gedacht, konnte die Gruppe zuletzt Erfolge feiern. Statt nur als Proberaumprojekt tritt die Band immer häufiger vor Publikum auf. Bisheriger Höhepunkt war der Auftritt von BBR am 6. Mai 2023 im Hallenstadion Zürich, als Vorband der beiden Rock­legenden Krokus und Uriah Heep vor rund 8000 Fans. «Es war ein unglaubliches Erlebnis», so Manu Burkart. «Die Band ist eine pure Herzenssache – und für mich genau das Richtige neben Divertimento. Ich bin absolut happy.»

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Jonny Fischer und Manu Burkart proben im Tanzkeller Tuggen für ihre neue Show «Bucket List».

Ihr habt beide grosse Soloerfolge gefeiert. Bestand die Gefahr, dass ihr nicht wieder zusammengefunden hättet?
Fischer: Nein, nie. Es gab früher Momente, in denen wir gedacht haben: Das wars, das war unsere letzte Show. Aber die Pandemiepause hat uns enorm zusammengeschweisst – und uns die Augen geöffnet für das, was wir haben.
Burkart: Es ist ein Riesenprivileg, auf die Bühne gehen zu können und ein Publikum zu haben, das einem die Türen einrennt. Das haben wir erst durch die Pandemie so richtig erkannt. Die «Sabbatical»-Shows nach der Corona-Zeit waren die besten, die wir je hatten. Die Stimmung war einfach unglaublich, sowohl bei den Fans wie auch bei uns.
Fischer: Ich hatte wirklich jeden Abend Tränen in den Augen. So schön war es.

Die Show wird gewagter. Aber wir bleiben uns treu.
Manu Burkart

Eure neue Show heisst «Bucket List». Was dürfen die Fans erwarten?
Fischer: Wir sind seit 20 Jahren auf der Bühne und haben immer versucht, den Leuten zu gefallen. Das kostet viel Kraft. Diesmal haben wir uns gesagt: Wir machen das, worauf wir Lust haben. Wir hatten eine Liste von Dingen, die wir immer schon gerne gemacht hätten, die wir uns aber nicht getraut haben oder die es nie ins Programm geschafft haben. Das ist ­unsere «Bucket List». Ich kann verraten: Es ist eine lange ­Liste geworden; und erst jetzt, bei den Proben, werden wir sehen, was funktioniert und was nicht.

Ein Beispiel?
Fischer: Manu will seit 20 Jahren einen Wiener spielen. Ich habe ihm immer gesagt: Das allein ist nicht lustig. Diesmal habe ich ihn ermutigt, eine ­solche Nummer zu schreiben – und siehe da: Es ist ­etwas sehr Lustiges geworden, mit einer zusätzlichen Figur, in die wir jetzt viel Arbeit stecken. Das ist ein schöner Prozess, gerade weil die Idee dafür so weit zurückreicht.

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Um in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen, braucht es gleich eine Kiste voller Frisuren.

Wird das neue Programm gewagter, weil ihr sozusagen im Archiv gewühlt habt?
Fischer: Vielleicht ein bisschen.
Burkart: Die Show wird vielleicht gewagter in dem Sinne, dass wir uns an Nummern herangetrauen, die wir uns früher nicht zugetraut hätten. Aber sonst bleiben wir uns treu.

«Bucket List» klingt nach Abschied . . .
Fischer: . . . dessen sind wir uns bewusst. Die Frage, ob das unser letztes Programm ist, taucht bei jeder neuen Show auf, egal wie sie heisst. Stehe ich in 15 Jahren noch mit Manu auf der Bühne? Fragst du mich heute, würde ich sagen: eher nicht. In sechs Jahren? Wahrscheinlich schon. Das Schlimmste wäre, wenn nur einer von uns weitermachen möchte und der andere die Nase voll hat. Im Moment geniesse ich ­Divertimento so, wie wir sind.

Was steht auf eurer persönlichen Bucket List zuoberst?
Burkart: Sie ist ziemlich leer bei mir, und das ist etwas Schönes. Gut, einmal im Jahr sage ich zu meiner Frau: Komm, lass uns in unseren Volvo XC90 ­Recharge einsteigen und einfach losfahren. Ohne Kinder, einfach los, nach Italien oder so. Diese Freiheit kommt erst zurück, wenn die Kinder etwas grösser werden. Aber sonst muss ich sagen: Ich habe mir ­viele Träume erfüllt.
Fischer: Das ist bei mir ähnlich. Mich nerven Menschen, die immer davon reden, etwas zu tun. Ich bin ein Machertyp, und ich habe mir vieles ermöglicht. Zuoberst steht bei mir deshalb etwas ganz Simples: Ich möchte, dass Manu und ich diese neue Tournee so richtig geniessen. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht über kleine Dinge aufregen, sondern uns einfach ­freuen, spielen zu dürfen. Wir waren oft zu streng mit uns selbst und gegenüber dem anderen.

Das würden euch viele gar nicht zutrauen.
Fischer: Das sieht man uns tatsächlich nicht an. Wir waren lange Zeit enorm perfektionistisch, das hat unseren Erfolg erst möglich gemacht. Heute finde ich: Wir haben uns zu lange gegeisselt. Unser Ziel ist deshalb: rausgehen und geniessen. Und schätzen, was wir an uns haben.

Bucket List auf Tournee
Die neue Divertimento-Show «Bucket List» gastiert ab September in den Theatern der Schweiz.

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