Dieses Mal ist Pascal Schmutz nicht «on the road», sondern «on the boat». Gemeinsam mit dem Berufsfischer Stefan Dasen fährt er raus auf den Bielersee. Was sie gefangen haben, hat sogar den Profi überrascht.
Während alle noch schlafen, sind Berufsfischer schon längst auf den Beinen bzw. auf dem See. Darum heisst es dieses Mal auch für Pascal Schmutz früh aus den Federn: «Ich bin um 4 Uhr morgens aufgestanden, damit ich rechtzeitig bei Stefan Dasen in Gerolfingen bin.» Der Spitzenkoch freut sich ganz besonders auf diesen Besuch: «Seit über 25 Jahren ist Dasen Berufsfischer auf dem Bielersee. Er kennt den See wahrscheinlich so gut wie keiner.»

Ein traumhafter Morgen
Wie jeden Tag fährt Stefan Dasen auch an diesem Juni-Morgen auf den Bielersee und wirft seine Netze aus. Heute ist er nicht alleine – Pascal Schmutz begleitet ihn. Sie kennen sich aus dem Dorf, in dem beide aufgewachsen sind.
«Was für ein schöner Morgen auf dem See», schwärmt Pascal Schmutz. «Es hat zum ersten Mal keine Biese – einfach traumhaft.»


So verzaubert unser Friend of Volvo von der Morgenstimmung ist, umso ernüchternder fällt die Prognose von Stefan Dasen aus: «Heute werden wir wohl nicht so viel fangen. Schon gestern war sehr wenig im Netz.» Grund dafür ist das kalte Wasser. «Es ist nur rund 14 Grad warm, 17 bis 18 Grad wären besser für den Fischfang», lässt sich Pascal Schmutz vom Profi erklären. «Je wärmer der See wird, desto mehr ist aber auch los. Dann teilt er sich den Bielersee mit Booten, Schwimmern, Wakeboardern, Ruderern, Stand-up-Paddlern und Hobby-Fischern.»
Den See lesen können
«Das erste Netz haben wir rund 500 Meter von seinem Bootshafen entfernt ausgelegt», erzählt Pascal Schmutz. Auf der Fahrt zur anderen Seeseite, wo sie weitere Netze auslegen, erfährt er, wie der See jeden Tag anders ist als am Tag zuvor. «Es ist sehr beeindruckend, wie viel Stefan über die Strömungen weiss, die immer wieder anders verlaufen, je nach Wassertemperatur oder Wetter – alles hat einen Einfluss auf seine Fische. Zum Beispiel, wenn die Aare nach dem Regen aufgewühlt ist, bedeutet das, dass mehr Dreck am Netz hängen bleibt und die Fische es so besser sehen können. Dasselbe, wenn die Spiegelung vom Mond stark ist. Echt spannend, welchen Einflüssen die Fischer ausgesetzt sind. Man meint, er fährt einfach raus, legt das Netz aus – doch das ist nicht so.»

Keine Hoffnungen auf grossen Fang
Die unterschiedlichen Natureinflüsse zwingen den Fischer, stets kreativ zu sein und das Netz immer wieder an einer anderen Stelle innerhalb seines Fanggebietes auszulegen. So kommen die Felchen von alleine zu Stefan Dasen, allerdings erst im August – dann ist in seinem Revier Felchen-Hochsaison.
Gestern hat der Profi-Fischer wenig gefangen, wie er Pascal Schmutz erzählt hat. Ob sich das heute ändern wird? «Zuerst fingen wir ein paar Rotaugen, dann einen sehr grossen Egli.»

Zander im Bielersee?
Auf die Frage, welcher denn sein Lieblingsfisch sei, antwortet der Fischer: «Zander. Aber Zander gilt hier noch nicht als heimisch.» Dasen findet, dass der Bielersee bestens geeignet wäre für Zander – auch für die Zucht. Der Fischer ist aber zufrieden über die Früchte, die der See ihm beschert: «Hier gibt es viele unterschiedliche Fische. Auch die Qualität des Wassers ist hier sehr gut. Weil es im Bielersee verschiedene Arten von Fischen gibt, sind die Chancen höher, immer etwas fangen zu können.» Haben die Felchen zum Beispiel ein schlechtes Jahr, gibt es dafür von einer anderen Sorte umso mehr. «In Seen, wo es überwiegend eine Fischart gibt, ist der Fischer einem höheren Risiko ausgesetzt.»
«Das erste Netz, das wir um halb sechs Uhr für Raubfische ausgelegt haben, holen wir zuletzt rein. Das Reinholen ist gar nicht so einfach. Man muss extrem aufpassen, dass man weder den Fisch verletzt noch das Netz beschädigt. Dafür braucht es echt Übung», weiss Pascal Schmutz.

Wie ist der Fang ausgegangen?
«Wir haben gleich mehrere Hechte gefangen, aber auch Rüschen, Egli, Rotaugen und ein paar Krebse. Insgesamt war der Fang etwa 55 Kilo schwer», schätzt Pascal Schmutz. «Ein guter Fang», ist auch Stefan Dasen erstaunt. «Aber so ist das halt. Heute so, morgen so. Ich rechne erst Ende Jahr ab.» Vom Fischen alleine könnte Stefan Dasen nicht leben. Aber, weil er sie in seinem eigenen Laden verkauft, die Gastronomie beliefert und ebenfalls ein erfolgreiches Catering betreibt, hat er einen wirtschaftlichen Schlüssel gefunden, der für ihn stimmt. «Das bedeutet aber auch, dass seine Arbeit nach dem Fischen erst richtig beginnt.»

Eglifilet am See
Wie immer, wenn Pascal Schmutz on the road ist, kocht er für seinen Gast ein typisches Menü. «Am See bei Gerolfingen hab ich frische Eglifilets gemacht, leicht meliert mit ganz wenig Hartweizengriess, frischen Kräutern und sie dann in einer schönen Alpenbutter gebraten. Dazu legte ich wilden Broccoli vom Seeland auf den Grill. Ich hatte auch Mayonnaise mit geschmorter Peperoni, Rauch-Paprika und Knoblauch dabei. Und eine frische Zitrone dazu: Mehr braucht man nicht.»
Fotos: www.nicoleroetheli.com













